Unser Körper verfügt über seine eigene Geschichte.

 

Die Wissenschaftler sprechen von dem Zellengedächtnis. Alles, was wir erlebt haben, sogar bereits vor der Geburt im Mutterleib, haben unsere Zellen eingespeichert. Drüber hinaus werden im Körper genetische Informationen unserer Familie eingespeichert. 

 

Durch die achtsame Berührung wird das Körpergedächtnis aktiviert und du kannst dich mit deinen im Unterbewusstsein abgespeicherten Programmen bewusst befassen, sie ans Tageslicht holen.

 

 

Ein Beispiel aus meiner Praxis. Eine Klientin konnte die Berührung auf der Vorderseite gut annehmen. Bei der Berührungen auf der Rückseite ergrief sie jedoch eine unfassbare Angst. Der Satz "jemand macht etwas Schlimmes hinter meinem Rücken" kam hoch. Später bearbeitete sie dieses unbewusste ans Tageslicht gerückte körperliche Erinnerung in ihren Meditationen und konnte dieses Gefühl auflösen.

 

 

Es hat sich heraus gestellt, dass die Körperbewusstseinsarbeit sich als notwendig ergänzend zur Behandlung aller psychologischen und körperlichen Traumata erwiesen hat. Z.B. nach einer Operation, einer schweren Geburt, während einer Depression und bei allerleri so genannten psychosomatischen Beschwerden wie Kloß im Hals, Stimmstörungen, Atemschwierigkeiten, Steine im Brustkorb, Bewegungs-einschränkungen in den Fingern oder Zehen, Taubheitsgefühle, Burn-out, depressive Verstimmungen, sexuelle Störungen, hinter denen keine organmedizinischen Befunde vorliegen. Eine ärztliche Untersuchung ist unabdingbar um sie auszuschließen.

 

Die Körpertherapeuten sprechen von der sogenannten sensomotorischen Amnesie, bei der die Daueranspannungen und Ausweichhaltungen nicht mehr von dem Menschen (Gehirn) bewusst wahrgenommen werden und dadurch nicht mehr aufgelöst werden können. Es entsteht eine Art Entkoppeltung, Trennung vom Bewusstsein und Körper. In der Körperbewusstseinsarbeit geht es darum, solche blinden Flecken wieder bewusst in die Bewusstheit zu bekommen und somit wieder Kontrolle darüber zu erlangen. Damit beschäftigen sich ähnlich auch Yoga, Pilates, Feldenkraisübungen u.Ä. 

 

Hier sind nur einige Beispiele dafür. Einige Menschen ziehen dauerhaft die Schultern hoch, andere neigen permanent  den Kopt zu einer Seite, nach vorne oder nach hinten. Viele Menschen atmen nur oberflächlich, andere überdehnen permament die Knie, oder gehen mit einer eingefallenen Brust. Das alles geschieht unwillkürlich und wird nicht gemerkt oder ignoriert, solange bis der Körper sich schmerzhaft zu Wort meldet. 

 

 

Beispiel aus meiner Praxis: Nach einem anstrengenden Jahr beruflich wie privat bekam eine Frau eine Sehnenentzündung an der rechten Hand. Die Körpertherapeuten sprechen von einem so genannten Mausarm. Sie bemerkte auf Grund von einem andauernden Stress nicht, wie sie ihren Oberkörper dauerhaft nach vorne zusammenzog und die Schultern rundete. Um am PC zu arbeiten, musste sie jedoch bei dieser eingafahrenen Körperhaltung die Hand dauerhaft zur Seite verbiegen, damit sie die Tastatur benutzen konnte. Dies sorgte für eine Entzündung der Sehne. In diesem Fall mussten also die Brustmuskeln, die Schultern und der obere Rücken behandelt werden. Die Frau beschäftigte sich weiterhin intensiv mit ihren Ängsten, die diese unbewusste Verkörperung ausgelöst hatten.

 

Unser Körper verfügt über seine eigene Weisheit

 

Es gibt zwei Bewegungen in der Beziehung zu unserem Körper. Die erste Bewegung ist vom Körper zu uns: das ist die Beziehung vom Weiblichen zum Männlichen. Diese Beziehung lehrt uns die Geduld, die Sanftmut, das Vertrauen, die Heilung, die Kraft, die Ruhe, die Kommunikation, die innere Führung, die Lebendigkeit. Die andere Bewegung ist von uns zum Körper: das ist die Beziehung vom Männlichen zum Weiblichen. Diese Beziehung lehrt uns die Präsenz, die Ausdauer, den Mut, die Entscheidungskraft, die Ordnung, die Sicherheit, die Klarheit. Der Körper beherbergt, nährt und führt den Geist, der Geist schützt und dient dem Körper. Erst gemeinsam lehren diese Bewegungen uns die Harmonie, den Sinn für ein Gleichgewicht und der Ko-Kreation oder anders gesagt den Zeit- und Raumsinn (der richtige Zeitpunkt, die richtige Reihenfolge, die richtige Dauer, das richtige Maß). Diese Kompetenzen (die Sinne: Harmoniesinn, Zeitsinn, Raumsinn) fasst man in dem Wort "Körperbewusstsein". 

 

 

Körperbewusstseinsarbeit ist eine differenzierte, nährende, wirksame, sich selbst tragende, lebendige und bildende Arbeit an der Erweiterung der Präsenz in deinem Körper, in deinem Leben und hat zum Zweck die Ausbildung der oben genannten Sinnesfähigkeiten. Sie zielt darauf ab, eine bewusste nachhaltige Herzens-Verbindung zwischen dem Geist und dem Körper herzustellen und zu stärken (die Präsenz, die Körperwahrnehmung). Die Körperarbeit unterstützt effektiv die Traumata-Selbstheilungsprozesse sowie das Aufbauen des Selbstbewusstseins des Menschen und der Entfaltung der oben genannten oberen Sinne: Harmonie, Zeitsinn, Raumsinn. Die Körperbewusstseinsarbeit unterstützt und ergänzt die Psychotherapien und die medizinischen Behandlungen. Die Kraft der Körperbewusstseinsarbeit liegt im Hier und Jetzt.

 

Die Körperbewusstseinsarbeit basiert auf den Arbeiten von Luise Hay, Dr. Rudiger Dahlke, Irina Prekop, Dr. Helga Pohl, Thomas Hanna, Felndenkrais und wird von mir begleitet mit Methoden und Erkenntnissen aus der systemischen Aufstellungsarbeit von Bert Hellinger .

 

 

Drei Studen der systemischen Körperbewusstseinsarbeit 

 

 

 1) Stufe 1- die Berührung - die Selbstliebe

Ohne Selbstliebe ist der Mensch wie ein Faß ohne Boden. Nichts kann ich füllen.

 

Hierbei lernst du die Selbstwahrnehmung und die Selbstannahme. Du lernst dich samt deinem Körper anzunehmen und zu lieben so, wie es ist. Du lernst die Körperbotschaften zu verstehen, deine eigenen Glaubenssätze zu transformieren. Die Berührung ist essentiell für das Selbstwertgefühl, den Selbstrespekt, die Selbstregulation, die Selbstannahme, das Selbstbewusstsein und ganz wichtig für die Selbstheilung. Entsprechend deiner individuellen Essenz nach der ayurvedischen Lehre wirst du durch die typgerechte Berührung darin unterstützt deine besonderen Stärken bewusster wahrzunehmen und die Schwächen bewusster auszugleichen. Ich stehe dir dabei systemisch zur Seite, deine körperlichen Empfindungen wahrzunehmen und sie zu sortieren, du lernst deinen Körper besser zu verstehen und mit ihm zu kommunizieren.

 

2) Stufe 2 - das Begehren - der Spiegel

 

 

Hierbei wirst du darin unterstützt deine Sexualität als positiven und selbstbestimmten Persönlichkeitsanteil zu integrieren. Der häufigste Fehler, den wir Menschen begehen, ist dass wir unsere Macht, die Dinge zu verändern, zu bekommen, an die Mitmenschen abegeben. Wir wollen gewollt werden, begehrt werden, statt dass wir uns selbst wollen oder begehren. WIr wollen verstanden, gesehen, gehört werden, statt dass wir uns selbst verstehen, sehen und zuhören. Oft nehmen wir das neue uns unbekannte Lebensglück in Form von Sexualität wahr. Es zieht es zu einem Menschen, der in unseren Augen dieses Lebensglück verköpert. Dem Mann fehlt die Frau, es zieht ihn zur Frau. Der Frau fehlt der Mann, es zieht sie zum Mann.

 

Die Weltgesundheitsorganisation definiert die sexuelle Gesundheit wie folgt:

 

"Sexuelle Gesundheit ist untrennbar mit Gesundheit insgesamt, mit Wohlbefinden und Lebensqualität verbunden. Sie ist ein Zustand des körperlichen, emotionalen, mentalen und sozialen Wohlbefindens in Bezug auf die Sexualität und nicht nur das Fehlen von Krankheit, Funktionsstörungen oder Gebrechen.

Sexuelle Gesundheit setzt eine positive und respektvolle Haltung zu Sexualität und sexuellen Beziehungen voraus sowie die Möglichkeit, angenehme und sichere sexuelle Erfahrungen zu machen, und zwar frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt. Sexuelle Gesundheit lässt sich nur erlangen und erhalten, wenn die sexuellen Rechte aller Menschen geachtet, geschützt und erfüllt werden.

Es bleibt noch viel zu tun um sicherzustellen, dass Gesundheitspolitik und -praxis dies anerkennen und widerspiegeln."

 

 

Die systemische Körperbewusstseinsarbeit kann dich darin unterstützen,

  • Frieden mit dem eigenen Geschlecht zu schließen
  • Umgang mit emotionaler Nähe und Distanz zu erlernen
  • beherztes Vorleben eigener Möglichkeiten und Grenzen
  • das sexuelle Erleben auf den ganzen Körper auszudehnen, denn die Begrenzung auf die Genitalien erreicht nicht das Herz und das Gehirn und reicht nicht für die Ausschüttung der Glückshormone
  • Umgang mit der Veränderung der Sexualität mit dem Alter, nach einer Geburt etc.
  • das sexuelle Erleben auf das ganze emotionale Spektrum auszudehnen, denn die Begrenzung auf den Lustaspekt erreicht die Seele nicht und schließt den spirituellen Charakter der Sexualität aus.
  • Verminderung der sexuellen Ängste, Selbstheilung der sexuellen Traumata
  • den Umgang mit dem natürlichen Rhythmus der sexuellen Energien
  • Verminderung der sexuellen Süchte 

 

 

 

3) Stufe 3 - die Begegnung - der Meister

 

 

"Wenn du liebst und für den anderen mitempfindest und dir seines höchstens Wertes bewusst bist, wenn du ihn nicht wie einen Mechanismus behandelst, den man in Ordnung bringen muss, sondern wie eine unendlich kostbare Energie, 

wenn du dankbar bist, dass er dir vertraut und dir erlaubt, mit seiner Energie zu spielen, dann wirst du allmählich das Gefühl haben, als ob du auf einer Orgel spielst. Der ganze Körper wird zur Tastatur der Orgel  und du kannst spüren, wie im Inneren des Körpers eine Harmonie entsteht. Nicht nur dem Anderen wird geholfen, sondern auch dir.!

 

Osho, aus " Sprengt den Fels der Unbewusstheit"

 

 

Begegnen wir uns nicht genug auf der Arbeit, unter den Nachbarn, in der Familie? Offensichtlich nicht, denn eine bedrohliche Unmenge von Menschen klagt heute über die Vereinsamung: das Gefühl sich nicht gesehen, gefühlt, verstanden und berührt zu wissen.

Die Berührung lehrt uns eine authentische Begegnung, durch die Präsenz in der Berührung lernt man sich selbst und den Anderen zu fühlen, zu sehen, zu verstehen und zu lieben das, was ist, fern von falschen Vorstellungen, Erwartungen oder Ängsten. Das Konzept der Schönheit erhält dabei einen ganz anderen Inhalt, Sinn. Die wahre Schönheit besteht darin, schöne Gedanken, schöne Handlungen, schöne Beziehungen und Begegnungen zu gestalten und zu pflegen. Die Berührung lehrt uns die Liebe durch die Kontaktaufnahme.

Die Berührung ist aus unserer westlichen Welt verschwunden, wir berühren unsere Nächsten nicht, in den Ehen wird kaum noch berührt, unter den Geschlechtern unter einander wird nicht mehr berührt, in der Schule darf nicht berührt werden, auf der Arbeit wird nicht mehr gemeinsam körperlich angepackt.

 

Wenn du selbst berühren lernst, so lernst du:

 

 - den Unterschied zwischen den Menschen durch tiefen Respek des Eigenwertes zu feiern, 

 

- deine unbewussten Muster den anderen Menschen gegenüber abzulegen: Konkurenz, Parallelexistenzen oder gar unbewussten Vernichtungskampf

 

- gemeinsam einen schöpferischen Prozess zu gestalten: nicht auf den Kosten des Anderen, nicht auf deinen Kosten, sondern auf der Augenhöhe

 

- sich selbst von den Anderen besser unterscheiden, deine eigenen nicht wahrgenommen Anteile, die dir dein Gegenüber spiegelt, zu dir zu nehmen und sie zu integrieren 

 

- dass wir Menschen keine von einander abgetrennten Wesen sind, sondern uns mit denselben Themen, Ängsten, Sehnsüchten, Gedankenmustern, Verhaltensgewohnheiten  gegenseitig beeinflussen. Es tut uns nicht gut, in den geschlossenen Kleinfamilien, in den Schneckehhäusern, in den geschlossenen Religionsgemeinschaften zu verharren.

 

Die Berührung öffnet uns ganz neue Türen und Möglichkeiten, uns jenseits der Unterschiede, sondern auf der Grundlage der gemeinsamen Sinnlichkeit zu begegnen.

 

 

 

 

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