Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen, wenn wir uns entschließen, einmal daraus zu erwachen.

Josephine Baker (Tänzerin und Sängerin)

 

 Körperbewusstseinsarbeit - Stufe 2 - das Begehren

 

 

Was ist das  Begehren?

 

 Die Frage "Geht es hierbei um die Lust?" ist zu oberflächlich. Es geht dabei um viel mehr, es geht ums Begehren. Begehren meint viel mehr als nur Lust. "Man kann Lust auf ein Schokoladeneis oder einen Abenteuerfilm haben, aber man kann weder das Eis nocht den Film begehren. Die Lust ist flüchtig, sie kommt und geht. Das Begehren ist ständiger, unabweisbarer Begleiter im Zentrum der Person und macht ihre Lebendigkeit aus. Auch dann, wenn sie gerade einmal keine Lust hat". (Quelle: Ulricht Clement: "Dynamik des Begehrens: Systemische Sexualtherapie in der Praxis". Wir begehren also das Leben, wir begehren die Lebendigkeit, unser Begehren ist EXISTENZIELL. Das Begehren ist ein Prozess der inneren Reife. 

 

 

 Das Begehren deckt unsere Sehn-Süchte und Ängste auf. Ist man bereit die Verantwortung für beides zu übernehmen, so kommt das Begehren dir entgegen, gibst du die Verantwortung an die anderen Menschen ab, so bleibst du leer und verbittert, weil sie lediglich ein Spiegelbild deiner Selbst  darstellen.

 

In der systemischen Körperbewusstseinsarbeit wirst du darin unterstützt deine Sexualität als positiven und selbstbestimmten Persönlichkeitsanteil zu integrieren. Der häfigste Fehler, den wir Menschen begehen, ist dass wir unsere Macht, die Dinge zu verändern oder zu bekommen, die wir uns wünschen an die Mitmenschen abegeben. Wir wollen gewollt werden, begehrt werden, statt dass wir uns selbst wollen oder begehren. WIr wollen verstanden, gesehen, gehört werden, statt dass wir uns selbst verstehen, sehen und zuhören. Oft nehmen wir das neue uns unbekannte Lebensglück in Form von Sexualität wahr. Es zieht es zu einem Menschen, der in unseren Augen dieses Lebensglück verköpert. Dem Mann fehlt die Frau, es zieht ihn zur Frau. Der Frau fehlt der Mann, es zieht sie zum Mann.

 

 

Ein Beispiel aus meiner Praxis:

 

Eine Frau fühlte sich sexuell hingezogen zu einem Mann, mit dem sie jedoch außerhalb der Sexualität wenig teilte und der Sex auch oft an ihren tatsächlichen Körperbedürfnissen und Empfindungen "vorbei " statt fand, aber etwas fesselte sie an dieser Beziehung. Im Laufe der Aufstellungsarbeit wird es klar, dass das sexuelle Interesse der Frau an den Männern ausschließlich darin besteht, sich von den Männern begehrt zu fühlen. Auch in ihrem Beruf oder Alltag liebt sie es im Zentrum der Aufmerksamkeit der Anderen zu stehen. Oft wird diese Quelle der Aufmerksamkeit zu einem krank machenden Faktor, weil die Frau viele Bereiche des Lebens vernachlässigt (z.B. Ruhephasen) um sich die Aufmerksamkeit der Anderen immer wieder aufs Neue zu verdienen und natürlich will jeder auf Dauer seine Aufmerksamkeit "belohnt" haben und ebenfalls Aufmerksamkeit für sich bekommen. Dazu war die Frau jedoch nicht bereit. da sie sich erschöpft fühlte und erntete verständlicherweise Aggressionen aufgrund der Dysbalance zwischen Geben und Nehmen. Die Heilung: "Ich verzichte auf die Bewunderung der Anderen und bewundere aufrichtig mich selbst". Erst dann konnte sich die Frau entspannen und ihren tatsächlichen Empfindungen und Bedürfnissen nach Ruhe und Berührung widmen.

 

 

 

 Berührung als Raum für Bewusstseinserweiterung und Intergration deiner eigenen Anteile

 

Die Sexualität, das Begehren, die Lebendigkeit entpuppen sich als Synonyme und werden von uns als Bewegung zwischen den Gegenpolen empfunden: Bewegung zwischen der Entspannung und Spannung, zwischen Nähe und Distanz, Spiel und Ernst, Lust und Unlust, Angst und Sehnsüchte, Mann und Frau, männlich und weiblich. Damit verbunden sind besondere Bewusstseinszustände, die diese Bewegungen begleiten und ausgleichen. " Erregung wird erst dann spürbar, wenn auch Langeweile  erlebt wird. Befriedigung setzt die Möglichkeit der Enttäuschung voraus" (U. Clement S. 10). Das Ja wird erst dann wirklich möglich, wenn ein Nein sein darf.  

 

Die Tantramassage fördert ganzheitliche und nachhaltige Sexualität, die auf allen fünf Elementen basiert, die die Eckpfeile der Lebendigkeit ausmachen und ihre zykliche Entwicklung unterstützen. Als Königsdisziplin der Massagen harmonisiert sie die Ungleichgewichte zwischen ihnen. Durch die ganzheitliche Berührung (nichts ausgespart) fördert sie die Integration aller persönlichen Anteile: 

 

-Du bist die Erde 

Ruhe, baue, pflanze, heile

-Du bist das Wasser

Weine, reinige, spüre, fließe, lass los

-Du bist das Feuer

Brenne, bändige, wandele, zünde

-Du bist die Luft

Atme, beobachte, entscheide, sei beharrlich

-Du bist die Seele

Verbinde dich, empfange, erfahre, sei still

 

-Du kannst als Empfänger deine Beziehung zu all den Elementen während der Massage bewusst wahrnehmen, heilen und ausbauen. Heilung heißt "ganz werden". Das heißt, deinen Anteil zu dir bewusst zurücknehmen, den du im Laufe einer Lebenserfahrung  vernachlässigt, abgewertet, verurteilt oder einfach aus den Augen verloren hast:

 

- Hast du die Ruhe verloren?

- Oder deine Tat-Kraft eingebüßt?

- Fehlt dir die geistige Flexibilität, das Vertrauen in den Wandel der Lebenssituationen? 

- Fehlt es dir an Entscheidungskraft und Ausdauer?

- Hast du eine gute Verbindung mit dir selbst. deiner inneren Führung?  Mit deiner Intuition?

 

 

 Berührung als Raum der Selbstheilung

 

Im Laufe des Lebens kommen wir oft, ja täglich in die Situationen, die bei uns eine ganze Palette an Emotionen hervorrufen: Trauer, Wut, Ohnmächtigkeit, Euphorie, Hass, Orientierungslosigkeit etc. Emotionen heißt zu Deutsch "Bewegung nach draußen". Die emotionale Kompetenz befähigt den Menschen dazu, diese Bewegungen statt nach außen, nah innen als Energie zum Wachstum, zur Veränderung zu benutzen. Es wird jedoch von vielen Menschen misverstanden als die Fähigkeit durch den dominierenden Willen/ Verstand die Emotionen zu unterdrücken um  sachlich zu handeln. Das jedoch hindert den Fluss der Liebe und entfremdet die Menschen von einander, disorientiert das Handeln und entbehrt einem die Lebenskraft. Nicht wahrgenommene und ausgedruckte Emotionen wirken sich schädlich auf die Gesundheit  (man spricht von einem emotionalen Stau und psychosomatischen Erkrankungen) bzw. vermindern auf Dauer die Empfindlichkeit. Als Folge tritt eine körperliche und emotionale Taubkeit ein und gesundheitliche Deffizite. 

 

Die wahre emotionale Kompetenz besteht jedoch darin, unsere Emotionen wahrzunehmen, sie adäquat ausdrücken zu können und die emotionale Nähe trotz der Schwierigkeit aufrecht zu erhalten, indem man die Emotionen (Bewegungen) in das eigene Handeln integriert. "ich bin wütend, weil (konkret die Situation beschreiben) ;nichtsdestotrotz gehe ich nicht weg mit meiner Präsenz, ich bleibe und schaue mir die Situation an, ich zeige meine Gefühle, meine Verletzlichkeit, meine Wünsche etc.". Für die Dauer der Tantramassage hast du die absolut einzigartige Möglichkeit deine Aufmerksamkeit nur dir selbst zukommen zu lassen und alle Regungen deines emotionalen Körpers wahrzunehmen, sie durch Geräuche oder Stille, Bewegungen, den Atem oder auch durch Sprache auszudrücken. 

 

 Ich bin darin geschult, die emotionale Nähe nicht abzubrechen, wie es oft in den Lebenssituationen passiert, wenn man mit starken Emotionen konfrontiert wird, sondern sie "auszuhalten". Gemeinsam geben wir den Emotionen den adäquaten Raum, den sie brauchen. Oft hört man dann die Sätze wie: "Ich hatte so eine Verspannug im Rücken, nach der Massage fühle ich mich wie nach einem Sturm - gereinigt und ruhig". Erstaunt sieht man zu, wie die "heftige unkontrollierte Energie" sich wie ein Fluss einen Weg sucht und mit Dankbarkeit im Meer der bedingungslosen Liebe mündet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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